Verhängnisvolles Handy

An einem Regenrückhaltebecken sehe ich einen Mann mit verbeulter Jeans, einer grauen Funktionsjacke und Gummistiefeln neben einem Haufen Feldsteinen stehen. In meiner Phantasie hat er gerade den Liebhaber seiner Frau getötet.

Das war einfacher gewesen, als er gedacht hatte. Dieser gutmütige Idiot hatte sich doch tatsächlich von der SMS „Treffen am RRBecken. Komm zu Fuß. Mein Mann macht extra Training“ an diesen abgelegenen Ort locken lassen.

Er betrachtete die Feldsteine, die er zusammengetragen hatte. Die Menge würde ausreichen, den übergewichtigen Toten im Wasser auf den Grund zu ziehen. Angewidert stellte er sich vor, wie seine Frau ausgerechnet mit diesem Fettberg ins Bett gehen konnte.

Und ausgerechnet in der Zeit, in der er seinen Körper stählte. Dreimal die Woche lief er zehn Kilometer, dreimal in der Woche trainierte er seine Muskeln im Fitnessstudio. Nur Freitag abends nicht. Da ging er immer mit ihr aus.

Er rollte den Leichnam in den mitgebrachten Leichensack, packte die Feldsteine dazu und schubste das Paket ins Wasser. Mühelos. Wozu doch regelmäßiges Training gut war. Um seine Spuren brauchte er sich keine Sorgen machen, für die nächsten Tage war starker Regen angesagt.

Bei seinem Wagen schmiss er die modderigen Gummistiefel in den Kofferraum und zog seine Ausgehschuhe an, denn schließlich war heute Freitag. Er startete den Wagen und passierte den Mobilfunkmast, der still und leise ein Handy-Signal vom Ufer des Regenrückhaltebeckens registrierte.

Und in Wirklichkeit ist wahrscheinlich alles ganz anders.

3 Gedanken zu „Verhängnisvolles Handy

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